
In meiner Zeit als Sozialkundelehrerin hatte ich stets versucht, meinen Unterricht möglichst anschaulich zu gestalten. Die gängigen Lehrbücher waren dabei nur bedingt hilfreich. Das zeigte sich auch bei den Fragen, die nach der deutschen Wiedervereinigung im Raum standen. Wie konnte ich meinen Schülerinnen und Schülern die Lebenswelt der „Ossis“ näherbringen?
Vielleicht wäre ein Besuch im „DDR-Museum Thale“ das Richtige gewesen. Leider war dies damals nicht realisierbar. Jetzt konnte ich während eines Urlaubs in Quedlinburg mich davon überzeugen, wie engagierte Privatleute den Alltag der Menschen in der DDR erlebbar machen. Im 6. Stock eines großen Möbelhauses kann man einer Zeitschiene von 1949 bis 1990 folgend in 21 Themen-Räumen anhand einer Fülle von Exponaten ein Gefühl für die Lebenswirklichkeit in dem Teil unseres Landes entwickeln, der vielen „Wessis“ leider immer noch fremd zu sein scheint.
Der überwältigende Besucherandrang offenbarte aber auch bei der einheimischen Bevölkerung ein großes Bedürfnis, der jüngeren Generation zu demonstrieren, wie man sich unter den herrschenden Bedingungen im wahrsten Sinn des Wortes eingerichtet hatte. So manchem „Besser-Wessi“ dürfte der Rundgang eine Lektion erteilt haben …
