
Angekündigt war der heutige Auftritt des Akkordeonisten und Sängers Søren Thies im Ingelheimer „Zeitensprung Zaubertheater“ als eine Hommage an die jüdischen Komponisten der „Goldenen Zwanziger“. Doch die Veranstaltung war weit mehr. Und manch auf den ersten Blick unverfänglicher Liedtext gewann plötzlich eine tiefere Bedeutung. Zusammen mit der Schilderung des Schicksals der Künstler, die von den Nationalsozialisten aus dem Kulturleben „entfernt“ und – wollten sie ihre Haut retten - zur Emigration gezwungen wurden, geriet der Nachmittag zu einem Plädoyer für gegenseitigen Respekt. Und die musikalische Botschaft – kurz vor dem Jahrestag von Hitlers „Machtergreifung“ – erschien mir nachhaltiger als jeder Appell „Nie wieder!“. Führte sie doch – und dies ohne erhobenen Zeigefinger – vor Augen, wie die Ausgrenzung einer bestimmten Bevölkerungsgruppe nicht nur zu einer geistigen Verarmung einer vermeintlichen Kulturnation führen kann – sondern auch zur „Rechtfertigung“ für die physische Ausmerzung „undeutscher“ Personen.
Viele der Komponisten und Texter, deren Filmschlager in dem Programm zu hören waren, konnten den Abspann der Filme, die sie vertont hatten, nur noch aus der Fremde erleben – wenn überhaupt …
