Aktuelles zum Thema Wissenschaft, Weiterbildung & Kultur
Sa
06
Jun
2026
Musikförderung ist elementar

Wer junge Menschen bei einer musikalischen Darbietung auf einer Bühne erlebt, der spürt gleich dreierlei. Ein Blick in die Gesichter der Darbietenden genügt, um die Hingabe jedes einzelnen nachempfinden zu können. Man selbst lässt sich vom Zauber der Darbietung in eine andere Welt entführen – und teilt dies mit anderen Menschen, die Gleiches fühlen. In solchen Momenten wird erlebbar, dass das gemeinsame Musikerlebnis einen „Kitt“ in einer Gesellschaft darstellt, die zunehmend von einem Auseinanderdriften bedroht ist.
Die Förderung junger Menschen, die uns ein solches Musikerlebnis ermöglichen wollen, ist daher eine elementare gesellschaftspolitische Aufgabe – und darf nicht einer leichtfertigen Haushaltslogik geopfert werden.
Es gibt wahrlich andere Einsparmöglichkeiten in den Haushalten von Bund, Ländern und Kommunen!
So
10
Mai
2026
Schon vergessen?

Wer eine Mehrtagesfahrt mit den Landfrauen nach Lübeck unternimmt, erwartet nicht unbedingt das „Grenzhus“ bei Schlagsdorf im Besuchsprogramm. Umso wertvoller war dieser Besuch. Erinnert er doch daran, wie dramatisch sich die Lage an der Schnittstelle zwischen Ost und West unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs auf das Alltagsleben der Menschen auswirkte. Bei einer Führung wurde uns dies von einem Betroffenen an zahlreichen Beispielen vor Augen geführt – denn das Grenzgebiet hatte Sperrzonen. Und um von einer dieser Sperrzonen in die benachbarte zu kommen, musste man einen Passierschein beantragen – um zum Beispiel als Schüler seine Freundin mit dem Rad zu besuchen.
Aber genau anhand solcher Absurditäten kann man Besuchern ein reales Bild von einer Situation vermitteln, die heutigen Jugendlichen surreal erscheinen muss. Das hier gezeigte Schild ist plötzlich mehr als nur ein Objekt in einer Erinnerungsstätte.
Mi
08
Apr
2026
Kommt Ihnen das spanisch vor?

Die Änderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen einer Bestattung haben in den letzten Monaten viele Menschen beschäftigt. Als ich jüngst eine Reisegruppe nach Andalusien führte, konnte man diese ungewöhnliche Gestaltung einer Begräbnisstätte bestaunen. Platzsparend ist sie auf jeden Fall. Dass der Weg zu den „oberen Etagen“ der letzten Ruhestätte für die Grabpflege nichts für Personen ist, die nicht ganz schwindelfrei sind, erscheint auf den ersten Blick problematisch. Na ja – dann wählt man eben Plastikblumen als floralen Grabschmuck …
Mo
02
Feb
2026
Klimawandel – Beispiel gefällig?

Zugegeben – im Februar erwarteten Besucher aus Deutschland in Andalusien nicht gerade drückende Hitze. Aber die Reisegruppe, die ich jetzt dorthin führte, war auch eher an der Kultur der Region interessiert. Und Regenschirme hatten alle Teilnehmer mit dabei. Hatten sie doch in den Medien kurz vor Reiseantritt von den Überschwemmungen an der spanischen Mittelmeerküste gehört. Ganz so schlimm wie befürchtet kam es nicht.
Aber als man beim Besuch eines Parks in Sevilla die dort üblicherweise zugänglichen öffentlichen Toiletten aufsuchen wollte, sah man sich dem im Bild gezeigten Schild gegenüber. Und ein Polizeibeamter erklärte freundlich – aber bestimmt – den Grund der Sperrung. Durch die Starkniederschläge der vergangenen Tage drohte Astbruch. So erlebte die Gruppe ein kleines – aber umso eindringlicheres – Beispiel für die Folgen des Klimawandels.
So
25
Jan
2026
"Nie wieder"

Angekündigt war der heutige Auftritt des Akkordeonisten und Sängers Søren Thies im Ingelheimer „Zeitensprung Zaubertheater“ als eine Hommage an die jüdischen Komponisten der „Goldenen Zwanziger“. Doch die Veranstaltung war weit mehr. Und manch auf den ersten Blick unverfänglicher Liedtext gewann plötzlich eine tiefere Bedeutung. Zusammen mit der Schilderung des Schicksals der Künstler, die von den Nationalsozialisten aus dem Kulturleben „entfernt“ und – wollten sie ihre Haut retten - zur Emigration gezwungen wurden, geriet der Nachmittag zu einem Plädoyer für gegenseitigen Respekt. Und die musikalische Botschaft – kurz vor dem Jahrestag von Hitlers „Machtergreifung“ – erschien mir nachhaltiger als jeder Appell „Nie wieder!“. Führte sie doch – und dies ohne erhobenen Zeigefinger – vor Augen, wie die Ausgrenzung einer bestimmten Bevölkerungsgruppe nicht nur zu einer geistigen Verarmung einer vermeintlichen Kulturnation führen kann – sondern auch zur „Rechtfertigung“ für die physische Ausmerzung „undeutscher“ Personen.
Viele der Komponisten und Texter, deren Filmschlager in dem Programm zu hören waren, konnten den Abspann der Filme, die sie vertont hatten, nur noch aus der Fremde erleben – wenn überhaupt …
Di
11
Nov
2025
Mehr als eine bloße Ausstellung

Heute nutzte ich mein Deutschland-Ticket, um mir die Ausstellung „Marc Aurel“ in Trier anzuschauen. Büsten zeigen dabei einen Herrscher, der als „Philosophen-Kaiser“ in die Geschichte einging. Und all diese Büsten zeigen einen zutiefst nachdenklichen Menschen. Zur Nachbereitung des Gesehenen erwarb ich folglich auch nicht den obligatorischen Ausstellungskatalog – sondern ein Exemplar seiner „Selbstbetrachtungen“.
Darin finden sich ebenso bemerkenswerte wie zeitlose Gedanken – wie etwa dieser:
„Alles, was wir hören, ist eine Meinung, keine Tatsache. Alles, was wir sehen, ist eine Perspektive, nicht die Wahrheit.“
Ahnte er etwa, was Social Media uns heute suggerieren wollen …
Fr
03
Okt
2025
Wirklich ein Volk?

Heute begehen wir den „Tag der Deutschen Einheit“. Doch ist wirklich zusammengewachsen, was zusammengehört? Auf der DDR-Briefmarke „Wir sind das Volk“ ist die Leipziger Nikolai-Kirche mit demonstrierenden Menschen zu sehen, die diese Losung damals skandierten. Und doch scheinen wir in weiten Teilen unseres Landes immer noch eine „Ossi-Wessi-Schere“ im Kopf zu haben. Warum eigentlich?
Im nächsten Jahr werde ich eine politische Bildungsreise nach Leipzig leiten. Bei unseren Gesprächspartnern vor Ort werden wir versuchen, Antworten auf diese Frage zu finden
Fr
22
Aug
2025
Spektakulärer Blick in Ingelheims Geschichte

In der Ingelheimer Kultur- und Kongresshalle „kING“ konnte ich heute das Ergebnis der Ausgrabungsarbeiten aus unserer unmittelbaren Nachbarschaft in Augenschein nehmen. Hautnah hatten wir mitbekommen, wie ein Archäologenteam – den Unbillen des Wetters trotzend – auf dem unbebauten Areal neben unserer Terrasse ein Gräberfeld aus der Merowingerzeit freilegte. Und immer wieder musste das Team feststellen, dass schon im Mittelalter dort Grabräuber das entwendet hatten, was sie für wertvoll hielten. Doch dann – Grab 447 war unversehrt.
Jetzt endlich konnte aufgrund des reich (nicht im materiellen Sinn) ausgestatteten Grabs die Lebenswelt eines Kriegers, der hier vor mehr 1.400 Jahren zur letzten Ruhe gebettet worden war, rekonstruiert werden. Holger Grewe, Leiter der Forschungsstelle Kaiserpfalz, führte fachkundig durch eine Präsentation, die als Highlight die originale Blockbergung des sensationellen Fundes bot. Geduldig beantwortete Grewe die zahlreichen Fragen des höchst interessierten Publikums. Eine Antwort allerdings musste er schuldig bleiben – nämlich die auf die Frage, wohin der Krieger aus Grab 447 nach all den anstehenden Untersuchungen unr Zurschaustellungen denn endgültig verbracht werde. Womit man zwangsläufig bei einem leidigen Ingelheimer Thema angelangt war – die Schaffung eines adäquaten musealen Rahmens für die zahlreichen Objekte, die die Geschichte der Stadt erst erlebbar machen …
Di
05
Aug
2025
Alltag in der DDR

In meiner Zeit als Sozialkundelehrerin hatte ich stets versucht, meinen Unterricht möglichst anschaulich zu gestalten. Die gängigen Lehrbücher waren dabei nur bedingt hilfreich. Das zeigte sich auch bei den Fragen, die nach der deutschen Wiedervereinigung im Raum standen. Wie konnte ich meinen Schülerinnen und Schülern die Lebenswelt der „Ossis“ näherbringen?
Vielleicht wäre ein Besuch im „DDR-Museum Thale“ das Richtige gewesen. Leider war dies damals nicht realisierbar. Jetzt konnte ich während eines Urlaubs in Quedlinburg mich davon überzeugen, wie engagierte Privatleute den Alltag der Menschen in der DDR erlebbar machen. Im 6. Stock eines großen Möbelhauses kann man einer Zeitschiene von 1949 bis 1990 folgend in 21 Themen-Räumen anhand einer Fülle von Exponaten ein Gefühl für die Lebenswirklichkeit in dem Teil unseres Landes entwickeln, der vielen „Wessis“ leider immer noch fremd zu sein scheint.
Der überwältigende Besucherandrang offenbarte aber auch bei der einheimischen Bevölkerung ein großes Bedürfnis, der jüngeren Generation zu demonstrieren, wie man sich unter den herrschenden Bedingungen im wahrsten Sinn des Wortes eingerichtet hatte. So manchem „Besser-Wessi“ dürfte der Rundgang eine Lektion erteilt haben …
So
13
Jul
2025
Spanisch als Fremdsprache

Ja – ich habe eine nicht zu leugnende Affinität zu Spanien. Und so setzte ich alles daran, die Sprache dieses Landes zu erlernen. Für eine studierte Anglistin ist Spanisch ja nicht gerade eine verwandte Spreche – aber mittlerweile habe ich ein Level erreicht, das es mir erlaubt, Reisegruppen nach Spanien zu führen. In meiner Zeit als Landtags-abgeordnete kämpfte ich daher auch um die Etablierung von Spanisch als Option im Fremdsprachen-Unterricht an weiterführenden Schulen.
Und heute konnte ich als Gästeführerin in Ingelheim einer Reisegruppe aus Sevilla die Kaiserpfalz Karls des Großen näherbringen – natürlich auf Spanisch. Es war ein schönes Erlebnis – für mich und die Besuchsgruppe. Für letztere war allerdings der Zeitpunkt der Führung strapaziös – in Spanien hält man um diese Uhrzeit für gewöhnlich Siesta …
